Wie frei ist OpenSource?

Irgendwie lebe ich ja in ständiger Angst. Nein, nicht nur vor Tieren aller Größen (wie meine bessere Hälfte mir gerne vorhält) sondern auch vor Artikeln in denen der Name Mark Shuttleworth vorkommt.

Aufgeregt hat mich heute ein Artikel auf Pro-Linux. Im Groben geht es darum, dass der Mark der Meinung ist, dass alle Beitragenden zu einem freien Projekt ihre eingereichten Patches vollständig dem Projekt überlassen, also entsprechend ihre Rechte aufgeben und übertragen.
Das klingt zwar im ersten Augenblick ganz sinnvoll, immerhin will man ja ein freies Projekt unterstützen, aber im zweiten Moment stößt mir das ganz schön sauer auf. Ich habe kein Problem damit einem nicht kommerziellen Projekt meine Patches zu überlassen. Im Gegenteil, das dient doch allen! Allerdings gibt es viele Projekte, inklusive Ubuntu, die kommerzielle Interessen haben. Da kann man jetzt viele schöne Worte für finden. Man kann ein paar Buzzwords aus dem Studium vorkramen, man kann aber auch ganz knallhart sagen: jemand möchte mit dem Projekt Geld verdienen, und höchstwahrscheinlich nicht nur gerade so viel, dass es sich gerade so selbst trägt.

Geld und OpenSource? Selbst damit habe ich kein Problem. Wenn es der Sache hilft und dem Projekt die nötige Basis verschafft, sehe ich nur Vorteile für alle Seiten. Aber: wenn ich zu so einem Projekt beitrage, und der gemeine Patcheinreicher wird in der Regel nicht bezahlt, dann doch wenigstens zu meinen Bedingungen und nicht nach diktierten Regeln.

Nun ist Ubuntu ein relativ kleines Licht am Firmament der Softwarerhersteller, ein schon größerer Stern ist dagegen Oracle, möge man von denen halten was man will. Die haben bekanntlich nach der Übernahme von Sun auch einige OpenSource-Produkte in die Finger bekommen und eigentlich so ziemlich alles gegen die Wand gefahren was bei drei nicht auf den Bäumen war. Vor allem die Sache rund um OpenOffice und openSolaris hat gezeigt, dass ein neuer Besitzer auf ganz komische Ideen kommen kann, denn hat ein Unternehmen alle Rechte (auch an den Patches), dann ist es ein leichtes eine Relizensierung unter einer anderen Lizenz vorzunehmen… womöglich hat es sich dann mit dem OpenSource-Projekt ganz schnell erledigt.

Bezogen auf Mark Shuttleworth und Ubuntu könnte man folgende Paranoia-Karte spielen:
Angenommen Canonical schafft es tatsächlich Ubuntu als relevantes Betriebssystem zu positionieren, dann wird damit auch immer eine gewisse Abhängigkeit der Anwender geschaffen. In der Regel sind die Schmerzen nämlich groß bevor jemand wechselt. Wer garantiert dann, dass Canonical in Zukunft nicht die Lizenz so ändert, dass sich das Thema OpenSource ganz schnell erledigt hat? Das wäre doch wie ein Haus auf den Schultern der vielen freiwilligen Patchschreiber zu bauen, und die dann leer ausgehen zu lassen?
Wird das so kommen? Das weiß ich nicht, wie gesagt: eine Paranoia-Karte. OpenSource ist Vertrauen. Wenn ich einen Patch einreiche vertraue ich darauf, dass das Projekt es im meinem Sinne verwendet, und bei vielen wird das im Sinne von OpenSource sein. Warum sollte es dann die Hintertür für das Projekt geben eine Relinzensierung durchzuführen? Do no evil!, und ich sehe hier leider nur den Vorteil für das Projekt dann böses zu tun, während ich gar kein Problem darin sehe die Rechte beim Patcher zu lassen. Das macht eine Relizensierung nicht unmöglich sondern nur schwerer, und raubt dem freiwillig Betragenden nicht ihre Arbeit.

Wie gesagt, OpenSource ist Vertrauen… und das sehe ich durch solche Kommentare wie den von Mark Shuttleworth angekratzt.

— der Würschtlmann

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s