Der analoge Tod des papierlosen Büros

Könnt ihr euch noch erinnern? Damals? Als alle anfingen vom papierlosen Büro zu reden?
Heute gibt es Kreise die Menschen die nicht so technikorientiert sind als „Internetausdrucker“ titulieren, und das ist alles andere als nett gemeint. Ich frage mich ob das eine auf dem anderen basiert… und ob es da draußen noch immer Leute gibt die das Märchen vom Büro ohne toten Baum glauben.

Ich mag Technik. Da wo sie hilft. Allerdings mag ich auch ausgedruckte E-Mails. Verwundertlich? Ich denke nicht. Gut, vielleicht werde ich langsam alt und gehöre eher nicht zu der ‚digital native‘-Generation die quasi im Internet aufgewachsen ist… ich war vorher da :)
So eine ausgedruckte E-Mail hat den Vorteil, dass ich sie in eine Akte heften und Notizen dazu verfassen kann, direkt auf das Blatt. Und dann hefte ich das ganze auch noch in Akten und Ordner. Klingt nach dem Albtraum des Nerds, oder?
Ich habe es auch anders versucht und digitale Archivierung und so Zeug durchprobiert. Die System versuchen dabei die Arbeitsabläufe die man normalerweise mit dem toten Baum hat in digitaler Form abzubilden, allerdings ist es nicht ganz das Selbe. Klar kann ich auch da Notizen für eine Mail verfassen, aber das sind unpersönliche, fast kalte Buchstaben auf einem virtuellen Notizzettel. Aber eine analoge Notiz ist so viel mehr: Schriftform, Größe, Orientierung, verwendete Zeichen, Unterstreichungen, Schnörkel. All das sagt dem der diese Notiz auf einem Blatt verfasst hat viel mehr als nur die Botschaft der Buchstaben.
Telefoniere ich mit jemanden zu einem Vorgang der auf einer Mail basiert mache ich mir natürlich entsprechende Notizen… am liebsten auf der gedruckten E-Mail. Da habe ich Platz, kann unterstreichen, einkreisen, umkringeln, Pfeile und Blumen malen… Viele kleine geheime Botschften die mein Unterbewusstsein problemlos wiedererkennt sobald ich mir das gnaze wieder anschaue.

Aber vielleicht kenne ich ja auch nur die falschen DMS? Nein, ich denke nicht. Es ist wie so oft im Leben: in der Theorie klingt das digitale Aufbewahren von Dokumenten super. Es hat auch Vorteile, da brauchen wir gar nicht drüber diskutieren. Um tausende Mails auf Stichwörter zu durchsuchen braucht ein Computer Sekunden, da dauert Ordner durchwühlen schon länger. Aber ich komme in einen Vorgang viel schneller wieder (oder neu) „rein“ wenn ich die Möglichkeit habe in den Notizen zu blättern und so ein Gefühl dafür zu bekommen was der Verfasser für wichtig und weniger wichtig hielt.

Nur ein paar Gedanken zur Digitalisierung der Welt. Und ich finde das viele Papier in modernen Büros gibt mir ein bisschen recht.

— der Würschtlmann

7 Gedanken zu “Der analoge Tod des papierlosen Büros

  1. Ich muss ehrlich sagen, ich bin ja in der Entwicklung und Planung tätig, und da ist ein Block und ein Stift unerlässlich – für mich.

    Mal schnell eine Verfahrensweiße aufgemalt, Datenbankzusammenhänge skizziert oder einfach schnell etwas notieren.

    Für mich wäre dies in digitaler Form nur hinderlich.

    Allerdings steht bei unseren EMails auch ein 7 Zeilen Folter das man sie nicht ausdrucken soll und die Umwelt schützen soll. :)

      • mir ist das skizzieren auf nem whiteboard zu groß. das haben wir bei uns auch stehen, und das wird halt genutzt wenn 2+ Leuten gleichzeitig etwas skizzieren.

        aber es gibt für unterschiedliche arbeitsweißen unterschiedliche vorgehen. so gehört sich’s :)

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