Eine kleine Laufgeschichte

Bekanntermaßen habe ich vor einigen Monaten wieder mit dem Laufen angefangen. Von Ende Mai bis Mitte Juli musste ich leider pausieren und Anfang August auch noch die Lauftechnik wegen Schmerzen nach dem Laufen ändern.
Das alles hat sehr gut funktioniert. Schmerzen vom Laufen gibt es nicht mehr und die Zeiten werden ständig besser. Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht wegen der Zeiten sondern wegen der Entspannung laufe ;) Allerdings bin ich mit der neuen Technik noch nicht wieder auf dem alten Niveau. Die neu beanspruchten Muskelgruppen haben noch noch die Ausdauern und Kondition erreicht die ich mit der „falschen“ Technik hatte.

An diesem Wochenende habe ich mir vorgenommen die letzten Renovierungen im „Wohnbereich“ durchzuführen. Ich habe am Samstag schon eine Menge geschafft und hatte so am Abend noch Zeit eine Runde Laufen zu gehen. Den ganzen verdammten Tag hatte es geregnet aber als ich die Schuhe schnürte konnte ich in blauen Himmel schauen.

Die Wolkenbänke waren weit entfernt und zogen langsam. Am Horizont waren die Windräder in den grauen Schleier von Regen gehüllt. Allerdings war ich mir ganz sicher, dass die Wolken von mir weg zogen.

Ich habe mich aufs Laufen gefreut. Die Woche konnte ich wegen Terminen und Wetterkapriolen nur einmal in die Laufschuhe schlüpfen. Erst habe ich überlegt einen Leistungslauf zu machen um meine aktuellen Daten zu prüfen, allerdings…. ey, ich laufe erst seit drei Wochen mit der neuen Technik, das könnte ernüchternd sein. Auf einen Trainingslauf mit Intervallen hatte ich auch keine Lust, also ein normaler Dauerlauf. Das ist ok, da hab ich auch alte Daten auf der Strecke die ich dann vergleichen kann. Einfach vor sich hin traben und die Gedanken schweifen lassen.

Die ersten Meter sind gut. Aus der Haustür heraus geht erst einmal Bergab und kein Gelenk meint mal eben weh tun zu müssen. Danach geht es bergauf: auf 700 Metern gilt es 75 Höhenmeter zu überwinden. Da kann man dann gut fluchen während die Muskeln auf Temperatur kommen. Meine Armbanduhr meldet nach dem Erreichen der eigentlichen Laufstrecke, und somit dem Erklimmen des Berges, die Vollendung des ersten Kilometers in 7:54. Das ist nicht überraschend schnell, aber immerhin über eine halbe Minute schneller als meine Referenzzeit mit der neuen Technik. Prompt bedankt sich mein Körper mit Schmerzen in der rechten Seite für das schnelle Anlaufen am Berg. Oh, ein älteres Ehepaar beim Spaziergang, aber in der falschen Richtung. Grüßen? Ach egal, wenn ich schnell genug bin komme ich denen nachher  wieder entgegen. Moment… das Seitenstechen das sich angekündigt hat ist weg. Na dann, Kohlen aufs Feuer und los gehts.

Während ich darüber grübele wie der Vortrag, den Denny und ich über Hugsun für die Ubucon vorbeiten, aussehen kann freue ich mich, dass meine Uhr mir mitteilt, dass der nächste Kilometer deutlich unter 6:15 bleibt. Für einen Dauernlauf peile ich 6:30 je Kilometer an, alles darunter ist Zucker. Heute läuft es ziemlich gut.

Bei meinem Wendepunkt sprinte ich einen Berg hinauf den ich vorher herunter laufen musste. Wie zu erwarten übersäuern meine Muskeln, ich gehe einige Schritte um Krämpfe zu vermeiden. Trotzdem bleit auch der nächste Kilometer unter 6:30.

Nach 27 Minuten Laufzeit bin ich wieder da wo das Rentnerehepaar vorhin war. Offensichtlich war ich zu langsam: niemand mehr da. 7 Minuten später stehe ich vor einem Waldweg… wenn ich meiner Referenzstecke folgen will muss ich da durch. An sich kein Problem.. aber habe ich schon erwähnt, dass es den ganzen Tag geregnet hat? Wo normalerweise ein durch Reifen gebahnter Weg durch den Wald führt ist ein Pfütze-n und Schlammpfad. Wenn ich mich da hinein wage sind das gut 2,5 km „Rundweg“. 2 parallele Straßen, eine hin, die andere wieder zurück. Bei dem Wetter findet mich da nie einer wenn ich auf dem Schlamm ausrutsche, und ein Handy habe ich natürlich nicht mit. Dafür aber eine innere Stimme die schon seit dem ersten Anblick die ganze Zeit „Yibbbiiiii Schlammschlacht“ ruft. Ich jogge in Asphaltschuhen mit verbrauchten Profil. Das geht auch auf Waldwegen gut, aber doch nicht bei solchen Verhältnissen. Ach verdammt, was solls. Wenn ich dann wieder daheim bin kann ich wenigstens Fotos von meinen versauten Schuhen posten…

Der Übergang ist ziemlich genau nach fünf Kilometern und danach beginnt ein Crosslauf erster Güte. Ausrutschen, über Pfützen springen… heute macht das tatsächlich Spaß. Ich werde ein bisschen größenwahnsinnig als ich festelle, dass ich den ersten Kilometer Pfützenhüpfen in 6:34 geschafft habe. Wenige Augenblicke später klingt ein komiches Rauschen auf. Moment… die Züge kann man doch gar nicht bis hierher hören? Argh… könnt ihr euch an die Regenwolken vom Anfang erinnern? Vielleicht zogen sie doch nicht in eine andere Richtung…

Mit Regen habe ich kein Problem. Ich bin eh naß… solange es kein Gewitter ist. Zumindest habe ich so in der Vergangenheit gedacht… ich hatte ja keine Ahnung.

Sekunden später setzt die verdammte Sinnflut ein. Ich laufe unter Bäumen, das hilft von oben trocken zu bleiben. Noch bin ich dabei mich von den Verkehrsstraßen zu entfernen. Wenn ich die Chance haben will, dass mich jemand aufsammelt bevor die Arche gebaut werden muss, dann muss ich dahin kommen.

Für einen Moment überlege ich ob ich die Schrittfrequenz zu erhöhen um an Geschwindigkeit zu gewinnen. Nein, lieber nicht, das lief bisher alles so gut. Andererseits habe ich nicht das Gefühl bereits auf Reserve zu laufen… da sind doch noch Kapazitäten. Schluss mit Dauerlauf, Leistung abrufen! Statt die Schrittfrequenz zu erhöhen konzentriere ich mich darauf die Schrittlänge zu erhöhen. 30 Sekunden später weiß ich, dass ich das Tempo durchhalten kann… vielleicht mit Muskelkater, aber es wird gehen.

Nachdem ich auf die Parallelstraße („Straße“, haha) abbiege macht sich ein Problem bemerkbar. Die Bäume stehen hier nicht direkt am Weg… ich werde geduscht. Innerhalb von Sekunden wiegt mein Shirt 10 kg und hängt an mir herunter wie ein Duschvorhang. Ich dachte das ist ein Material das Feuchtigkeit schnell abgeben kann? Ähm.. ein Blick nach unten verrät mir, dass es das auch tut. Aber die vielen kalten Bomben die auf meinen Schultern und meiner Brust einschlagen müssen erst einmal nach unten durchgereicht werden. Im Augenblick ist mein Shirt der Ursprungsort von verdammten Wasserfällen.

Die Uhr piept. 5:44 für den vergangenen Kilometer. Huch, vielleicht wäre ein Leistungslauf heute doch angebracht gewesen. Meine Schuhe sind schon fast wieder sauber. Inzwischen ist der Weg mit Kies bedeckt. Keine Pfützen und kein Schlamm mehr… und das Ende ist in Sicht. Da ist die Schranke die die Einfahrt verbietet, danach dann eine normale Verkehrsstraße und noch 1,5 km bis nach Hause. Für einen Moment spiele ich mit dem Gedanken über die Schranke zu springen. Und dann… das ist doch mein Auto! Unverkennbar, ich habe das Ding gekauft weil es wirlich gut von der Seite aussieht. Und den Turbo würde ich auch überall sofort am Ton erkennen. Mein Auto! 20 Meter! Neeeeeee! Verdammt!

Seien wir mal ehrlich, wer außer jemand in meinem Auto würde mich schon einsammeln? So naß wie Patrick Duffy in „der Mann aus Atlantis“ und ab den Knien abwärts auch durchaus dreckig.

*piep*.. 5:42. Ach Scheiße, dann renne ich halt nach Hause.

Als ich dann endlich die Hofeinfahrt hinunter gehe, das Schwimmen verhindert meiner Meinung nach nur das Gefälle, steht mein Auto schon da.
„Oh, du bist nass geworden! Ich bin auch gerade erst wieder da.“

Ach…

— der Würschtlmann

2 Gedanken zu “Eine kleine Laufgeschichte

  1. Einer wirklich sehr gelungener Bericht :) Kann mich Dirk da nur anschließen. Aber das einen die Freundin im Regen stehen lässt ist schon ein wenig bitter.

    Was mich interessieren würde ist, was für eine neue geheime Technik verwendest du? Hast du die selbst entwickelt und was bewirkte diese? Verleiht die mir super Laufkräfte?

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