Multimedia im Wohnzimmer

Heutzutage bedeutet „Heimkino“ ja, dass man im Wohnzimmer möglicherweise einen etwas größeren Fernseher und dazu eine gute Soundanlage stehen hat. Das kostet beides nicht mehr die Welt.
Manche Fernseher bieten, ebenso wie manche AV-Receiver, die Möglichkeit Webinhalte anzuzeigen oder Musik von einem USB-Stick abzuspielen.

Das doofe an diesen Geräten ist, dass sie meist für einen ganz anderen Zweck gebaut sind und den Rest nur als „Features“ mitbringen. Meist halbherzig umgesetzt und vor allem: nicht anpassbar.
Oh, ich bin mir sicher, dass sich das in Zukunft ändern wird. Der PC hat als ‚die Internetmaschine‘ im Haus seine besten Zeiten hinter sich, aber noch braucht die Industrie Zeit um das brauchbar zu machen.

Also was tun? Heutzutage ist doch so ein Fernseher nicht mehr als ein überdimensionierter Bildschirm, kann man da nicht einfach einen PC anschließen?
Diese Frage habe ich mir vor einiger Zeit gestellt und bin auf die Suche nach etwas gegangen was möglichst günstig, leistungsstark und leise ist.

Die Aufgaben des neuen Mitglieds in der Rechnerfamilie waren scharf umrissen: Musik abspielen und HD-Videos ruckelfrei anzeigen. Der Rest ist mir egal. Er braucht noch nicht einmal eine große Festplatte, da er fast ausschließlich Webinhalte oder im Netzwerk vorhandene Daten darstellen oder abspielen soll.
Wenn möglich sollte der Rechner über eine HDMI-Ausgang verfügen, damit ich direkt an die vorhandene Infrastruktur ankoppeln kann. Das spart Adapter und Kabel.
Um ehrlich zu sein hatte ich davor am meisten Bammel. Klar war, dass auf der Mühle ein ordentliches Linux laufen muss. Und Linux und Hardware ist ja manchmal so eine Sache… und Ton über HDMI habe ich noch nie gemacht.

Ich fand zwar einiges an Hardware, aber das war mir deutlich zu teuer. Ich wollte ja was für kleines Geld und nicht nen Dampfhammer. In der „LinuxUser“ stieß ich dann auf einen Artikel über die Zbox AD02. Dabei handelt es sich um einen Mini-PC basierend auf AMDs Fusion-Plattform, ein Konzept bei dem Geräte einen Chip enthalten der sowohl den Hauptprozessor (CPU) als auch den Grafikprozessor (GPU) enthällt. Das macht die Geräte kleiner, energiesparend und günstig. Dafür entfällt aber die Möglichkeit einzelne Komponenten auszutauschen. Bei der ZBox AD02 sowieso, der Prozessor ist mit dem Mainboard verlötet, da möchte man eigentlich nicht dran.

Also habe ich das kleine Ding bei einem bekannten Hardware-Versand bestellt. Zusammen mit falschem RAM und einer 16GB SSD um das System aufzunehmen. Falscher RAM?!? Ja, da kommt natürlich Speicher rein der normalerweise auch in Notebooks oder Netbooks kommt. Nur so als Tipp ;)

Verpackte ZBox

Verpackte ZBox, SSD und Speicher

Anschlüsse der ZBox

Anschlüsse der ZBox

Ausgepackt nimmt die ZBox nicht viel Platz weg.
Was zuerste einmal auffällt sind die unglaublich vielen Anschlüsse, vor allem naürlich USB. An der Geräterückseite befinden sich zwei USB 3.0, zwei USB 2.0, ein DVI- und ein HDMI-Ausgang. Zusätzlich noch ein e-Sata-Anschluss und der Ausgang der Soundkarte.
An der Oberseite und der Vorderseite ist außerdem jeweils ein USB-Anschluss und an der Vorderseite befindet sich zudem auch noch ein SD-Kartenleser, Front-Mic und -Audio.

Das Einbauen der Komponenten ist gar kein Problem, die Schrauben lassen sich problemlos ohne Werkzeug öffnen und im Inneren ist gerade ausreichend Platz für die SSD und den entsprechenden Notebook(!)-Speicher.

Verschraubung der AD02

Verschraubung der AD02

Die ZBox von Innen

Die ZBox von Innen

Auf die Box habe ich nach erfolgreichem Einbau der Komponenten ein Sabayon-Linux installiert. Der Grund dafür war ziemlich einfach: Sabayon ist ein Distribution das „Rolling Releases“ unterstützt. Das heißt: wenn neue Programme verfügbar sind werden diese durch die Paketverwaltung installliert. Eine Neuinstallation des kompletten Systems ist nicht nötig sobald eine neue Version von Sabayon erscheint. Das erspart mir Arbeit und die Updates trudeln nach und nach ein.

Als Desktopoberfläche habe ich mich für KDE entschieden. Das sieht auf dem großen Fernseher mächtig gut aus.
Der letzte große Stolperstein war, dass ich unbedingt Sound und Bild über HDMI ausgeben wollte. Das ging einfacher als gedacht: Das Bild war überhaupt kein Problem, und der Sound eigentlich auch nicht. Ich musste in den Einstellungen von KDE nur hinterlegen, dass die Ausgabe über HDMI in allen Fällen priorisiert werden soll, und schon kommen sowohl Systemsounds als auch Musik über die Surround-Anlage.
Eigentlich war das schon fast zu einfach.

Für das Abspielen von Musik greife ich entweder auf Amarok zurück, oder ich starte XMBC wenn es richtig gut aussehen soll. Beides ist entweder bereits installiert oder in den Repositories von Sabayon, man muss sich also nicht übermäßig kümmern.

HD-Videos sind übrigens dank der integrierten ATI-Grafikkarte kein Problem. Die spielt die kleine Box ruckelfrei in der entsprechende Auflösung. Endlich Youtube-Videos auf der großen Leinwand :)

Nachinstallieren musste ich nur Anwendungsprogramme. Die komplette Hardware lief mit Sabayon out-of-the-box.

Das Ganze hat mich einen halben Tag Arbeit und die Technik gekostet. Und die hat mit knapp 200 240 Euro zu Buche geschlagen. Wenn man sich überlegt, dass es Leute gibt die Tablets kaufen die das 3-fache kosten, da hat sich die Anschaffung auf jeden Fall gelohnt.

— der Würschtlmann

Update (18.09.2011): Bei Google+ habe ich ein bisschen Videocontent zur der Maschine hinterlegt :)

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