Distributionshopping

Seit heute läuft auf meinem Desktop-Rechner Sabayon Linux, nicht länger Aptosid. Das ist an sich nicht weiter wild, ich habe schon den einen oder anderen Wechsel hinter mir.

Irgendwann in 2004 kam ich eher aus der Not auf Linux. Nachdem mir im Urlaub das Dateisystem meines Laptops mit Windows darauf abgeraucht war, brauchte ich auf die schnelle ein Betriebssystem. Da fiel mir eher zufällig eine EasyLinux mit einer SuSE-Linux Version in die Hände.
Das System funktionierte so gut, dass ich dann einfach dabei blieb. Dazu muss man sagen, dass ich zu dem Zeitpunkt hauptsächlich damit beschäftigt war Programme in Java zu schreiben, da war ich nicht unbedingt an ein Betriebssystem gebunden.

Ich blieb SuSE eine Weile treu, sah was passierte während es in Novell aufging und musste feststellen, dass mir das gar nicht gefiel. Irgendwann stolperte ich über Kubuntu, fand die kleinere Softwareauswahl und die Community super und blieb der Ubuntu-Gemeinde eine Weile erhalten.

Um 2006 begann für mich eine DSL-lose Zeit und ich wechselte wieder zurück zu (inzwischen) openSuse. Die Version 10.1 hatte den Vorteil, dass ein Großteil der Pakete direkt auf der DVD enthalten waren. So konnte ich mir den Download bei der Installation sparen. Die Nachfolgeversion (10.2) ließ mich dann ganz schnell wieder mit openSuse aufhören. Die hatten in den Tiefen des Paketmanagers herum gebastelt und „zypper“ endgültig eingeführt. Alles was mit dem Softwaremanagement zu tun hatte war schrecklich langsam, auch mit dem DSL das inzwischen wieder da war.

2007 setzte ich wieder Kubuntu auf dem Desktop und Xubuntu auf dem Laptop ein. Die Community war hilfreich, das System als „easy-to-use“ gedacht. Zumindest glaubte ich das.

2009 fing der große Wechsel auf KDE 4 an. Die ersten Versionen waren unbenutzbar, den Distributionen wechselt aber fast alle bereits auf die neue Version weil bei KDE 3 eh nichts mehr passierte.
Ich fackelte nicht lange und beschloss fürs erste zu Gnome zu wechseln um zu beobachten wohin die Reise von KDE ging. Und wo wir schon einmal beim Wechseln sind wollte ich mir gleich ein paar Distributionen ansehen.

OpenSuse hatte ich die Version 10.2 nicht verziehen (wobei die Distribution inzwischen besser sein sollte), bei Debian fand ich die Programmversionen etwas zu alt, für Gentoo hatte ich keine Zeit und Sabayon probierte ich eine Weile aus, fühlte mich aber ohne mein apt-get etwas verloren.
Am Ende versuchte ich auch Linux Mint und war begeistert. Auf den Ubuntu-Quellen aufbauend hatte ich damals das Gefühl, dass Mint umsetzen wollte was Ubuntu versprach. Während man bei Ubuntu Klimmzüge machen musste im proprietäre Software (wie Grafikkartentreiber) zu installieren, machte Mint das weitesgehend automatisch. „easy-to-use“, wunderar! Auch 2011, also 2 Jahre später, kann ich Mint nur jedem al das bessere Ubuntu empfehlen, wobei das Projekt inzwischen versucht sich von Ubuntu als Basis zu verabschieden.

Anfang 2010 schien KDE4 langsam benutzbar zu werden und Mark Shuttleworth (oder Canonical) tat einige Dinge, und erzählte einige Dinge, die mich dazu anspornten keine Ubuntu-basierten Distributionen mehr zu verwenden. Was er tat schadete in meinen Augen Linux und  der Welt der freien Software.

Ich wechselte also einmal mehr die Distribution, zurück zu KDE und zu den Ubuntu-Wurzeln (was ja bekanntlich Debian ist): Sidux. Sidux heißt heute Aptosid und ist eine Distribution die hauptsächlich auf den Paketquellen von Debian sid (unstable) basiert. Somit hatte man auf der einen Seite die unglaubliche Softwareauswahl von Debian, auf der anderen Seite relativ neue Programmversionen.
Allerdings war das auch eine Menge rumgefrickel. Die Leute hinter Aptosid hatten natürlich nur begrenzt Einfluss auf die Debian-Quellen und so kam es ab und zu vor, dass es Konflikte und Probleme gab. Aptosid ist „rolling release“, das heißt: neue Programmversionen werden durch die Paketverwaltung einfach eingespielt, während herkömmliche Distributionen über den Lebenszeitraum eines Release ausschließlich Patches für Programme liefern, keine neuen Versionen.

Das Problem bei Aptosid war, dass mir wichtige Pakete nicht immer auf dem neuesten Stand waren. Das neueste KDE dauerte zum Beispiel ewig bis unstable, gleiches gilt für Webbrowser. Der Grund dafür scheint offensichtlich: innerhalb von Debian war der Wunsch nach der neuesten KDE-Version in sid eher klein, während die Jungs von Aptosid nicht die Manpower hatten so ein großes Paket selbst zu pflegen. Also benutzte man Quellen von Dritten und installierte von dort. Das machte KDE aktueller, allerdings fühlte es sich immer etwas… komisch an. So hatte ich zum Beispiel immer eine Fehlermeldung die hoch kam wenn ich Kopete schloss, oder konnte die Uhr eine Zeitlang nicht über das Uhrensymbol stellen.
Das sind aber alles Sachen mit denen ich prima eine Weile leben konnte.

Inzwischen finde ich diesen „Rolling Release“-Kram aber eigentlich ganz prima, dumm nur, dass die beiden meistbenutzten Programme meines Rechners da irgendwie durch Drittanbieter abgedeckt werden müssen: KDE und der Webbrowser. Sabayon kann das auch und hatte seine komplett eigenen Quellen und kann im Zweifelsfall sogar auf die Gentoo-Quellen zurück greifen. Ich hatte es vor einer Weile schon einmal ausprobiert und es werkelt auch schon eine ganze Weile auf meinem Netbook (das WLAN lief damit sowas von Out-of-the-Box :) ).

Nun bin ich also auch auf dem Desktop bei Sabayon gelandet. Es funktioniert, spielt brav neue Versionen ein und ist eine Ecke zackiger als Aptosid. Ich habe alles was ich brauche: Rolling-Release, ein System das einfach funktioniert und nicht zu kompliziert ist und vor allem: eine Distribution die von der Community getrieben und entwickelt wird, keine Firma mit Gewinnabsicht. Ich bin dann erstmal zufrieden.

— der Würschtlmann

6 Gedanken zu “Distributionshopping

  1. Gefällt mir gut dein Artikel und macht Lust au mehr. Werde mir das System auch einmal ansehen. Konnte gerade nur nicht sehen ob Gnome 3 respektive bald Gnome 3.2 mit in den Quellen sind, was ich aber mal vermute.

    • Ja, Gnome 3 und Gnome Shell sind auf jeden Fall enthalten.
      Bei einer Neuinstallation von Sabayon (6) installiert sich zuerst Gnome 2, mit dem nächsten Updatelauf wird dann auf 3 geupdatet. Welche Version genau aber ausgeliefert wird weiß ich nicht, ich bin ja KDEler.
      Aber der Dirk sollte das wissen :)

      • Ein „equo search gnome“ funktioniert sogar unter KDE ;-)

        Ja, Gnome 3 ist an Bord, es steht ein neues Release vor der Tür, da wird Gnome 3 direkt drauf sein.

      • Jahaaa, das hab ich ja auch geschaut. Aber da tauchen gefühlte 6,8 Millionen Pakete auf. Da kann ja keiner ahnen welches von den vielen denn nun die ganz genaue Version beschreibt.
        Ich glaube das Neueste war 3.0.2 oder so ähnlich.

        Aber für KDE könnte ich sagen, dass 4.7.1 irgendwann die letzten Wochen rein kam und ziemlich gut funktioniert.

      • :-)

        equo search gnome-base | grep Package

        >> @@ Package: gnome-base/dconf-0.8.0 branch: 5, [sabayon-weekly]
        >> @@ Package: gnome-base/gconf-2.32.4 branch: 5, [sabayon-weekly]
        >> @@ Package: gnome-base/gdm-3.0.4-r2 branch: 5, [sabayon-weekly]
        >> @@ Package: gnome-base/gnome-3.0.0 branch: 5, [sabayon-weekly]

        Das vierte Paket in der Liste sagt, es ist Gnome 3.0

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