Der Tetris-Effekt, oder: Belohnungsgesteuertes Zeitmanagment

Habt ihr schon einmal Tetris gespielt? Das ist dieses lustige Spiel bei dem von oben immer mehr verschieden förmige Steine herunterfallen und in Position gebracht werden müssen. Schafft man es Steine so zu positionieren, dass ganze Reihen lückenlos gefüllt sind, verschwinden diese. Das Spiel ist verloren wenn der obere Rand des Spielfeldes erreicht wurde. Da immer nach Absetzen eines Steins ein Neuer nach fällt, hilft nur das konsequente Beseitigen von Reihen um nicht zu verlieren.

Es gibt verschiedene Taktiken dieses Spiel zu spielen. Die einfachste, und von Anfängern oft praktizierte, ist es die Reihen möglichst schnell verschwinden zu lassen. Sobald sich die Möglichkeit ergibt: weg damit.
Das Spielprinzip an sich ist relativ simpel, weshalb ein Spieler mit zunehmender Erfahrung recht schnell dazu übergeht mehr als eine Reihe auf einmal verschwinden zu lassen. Das wird auch gleich mehrfach belohnt: zum einen gibt das einen Bonus für die Punkte, es sieht toll aus wenn in einem Rutsch viele Reihen verschwinden und meistens gibt es auch noch einen netten Effekt dazu.

Man füllt also die Reihen bereits fast lückenlos, und lässt doch einen Platz der möglichst mit einem Stein zu füllen ist. Beliebt ist es ganz am Rand über mehrere Reihen genau einen Stein Lücke zu haben. Kommt dann der gerade Stein kann man mit einem mal das Maximum an Reihen verschwinden lassen. Kaaawoooza!

Ähhh, Junge, erzähl uns nichts über mittelalterliche Computerspiele (oder war das noch Steinzeit?), was hat das mit Zeitmanagement zu tun?

Ganz einfach! Ich will aber vorweg schicken, dass jeder seine ganz persönliche Methode finden muss um mit Aufgaben umzugehen. Die Tetris-Methode finde ich für mich prima, allerdings ausschließlich im privaten Bereich. Hier kann ich es mir leisten auch mal etwas nicht sofort zu machen, im Job gibt es da vielleicht andere Prioritäten.
Das hier ist also keine Handlungsanweisung. ;)

Das kennt jeder: manchmal türmen sich Berge von Aufgaben auf. Ich bin immer ein bisschen am Renovieren und mache viel selber, das sorgt für reichlich Sachen die gemacht werden müssen. Zudem will auch noch Sport betrieben werden und Abends würde ich gerne ein bisschen ausspannen. Nun, Zeit kann man nicht schaffen, Zeit kann man nur anders einteilen. Wenn man für etwas keine Zeit hat, dann liegt das daran, dass man sie sich nicht nimmt. „Tote Zeit“ zu aktivieren hilft schon mal ein bisschen.
Eine tolle tote Zeit die ich im Augenblick entdeckt habe (vor allem weil es draussen nicht mehr so lange hell ist): die Stunde vor dem Arbeitsbeginn. Klar kann ich mich bis kurz vor Panik im Bett aufhalten, ich kann aber auch aufstehen und etwas erledigen. In meinem Fall ist das dann Sport. Da ich unter der Woche draußen im Dunkeln nicht mehr laufen mag, geh ich halt daheim etwas für mich tun. Und in der Zeit in der ich schwitze spiele ich dann Aufgabentetris im Kopf.

Nehmen wir an es gibt folgenden Berg an „Aufgaben“: eine Kabeltrommel muss bei jemanden abgeholt werden, das Auto braucht eine kleine Reparatur, Briefe müssen zum Briefkasten, ein Brief muss persönlich überbracht werden, daheim müssen ein paar Leitungen verlegt werden.

Das wirkt so unsortiert schon ein bisschen einschüchternd, finde ich. Vor allem auch deshalb weil es bestimmte Abhängigkeiten gibt:
Das Auto muss heile sein bevor die Kabeltrommel geholt werden kann. Die Leitungen kann man aber ohne die Kabeltrommel nicht verlegen. Es ergeben sich also schon ganz automatisch Abläufe die man befolgen muss. Wenn man das für die Aufgaben entsprechend festgestellt hat wirkt das ganze schon gar nicht mehr so chaotisch und viel.

Und wieso nun Tetris? Weil es jetzt darum geht die Reihen so zu füllen, dass sie möglichst mit einem einzigen Stein aufgelöst werden können. Die Grundstruktur ergibt sich aus den Abhängigkeiten, die Lücken füllen wir einfach auf:

Nach Feierabend:
Auto reparieren, anschließend die Kabeltrommel holen, auf dem Hinweg die Briefe in den Briefkasten werfen und auf dem Rückweg den anderen Brief persönlich vorbei bringen.

Der letzte Stein der all diese „Reihen“ miteinander verbindet, füllt und somit verschwinden lässt, ist somit eine Autofahrt.

Haaalt, jetzt habt ihr mich! Da fehlt ja noch das verlegen der Leitungen! Richtig. Das liegt daran, dass man bei Tetris selbst im allerbesten Fall nicht mehr als 4 Reihen auf einmal verschwinden lassen kann. Das muss man sich klar machen, es geht nicht alles auf einmal.

Der psychologische Effekt ist, dass ich Abends entspannt auf dem Sofa sitzen kann und vor meinem geistigen Auge die Reihen, also Aufgaben, verschwinden… weil sie erledigt sind. Kaaawoooza!

Und das Verlegen der Leitungen? Na, da fällt mir schon etwas ein um die Reihe morgen zu vervollständigen. So ein leeres Tetris-Feld wäre nun wirklich ziemlich langweilig, oder?

— der Würschtlmann

12 Gedanken zu “Der Tetris-Effekt, oder: Belohnungsgesteuertes Zeitmanagment

      • :-)

        Ich weiss, dass das eine Technik in „Getting Things Done“ ist. Da ist es aber bestimmt nicht so gut beschrieben. Es geht darum, Aufgaben zu gruppieren, unabhängig zu welchem Aufgabengebiet sie gehören.

        Taskwarrior bildet das mit Tags ab. Ich vergebe beispielsweise das Schlagwort „home“ für alle Aufgaben, die ich nur zu Hause erledigen kann.

      • Ich glaube das Buch muss ich mal jemaden empfehlen.
        Gibt es eigentlich inzwischen einen visuellen Mitschnitt von deinem Vortrag letztes(?) Jahr auf der Ubucon?

      • Nein, das Video gibt es noch nicht. Volkmar hat mir aber gesagt, dass er das in jedem Fall noch fertigstellen wird.

        Mir ist wichtig, dass jeder seinen eigenen Stil findet. Es gibt niemanden, der die Lösung für das Zeitmanagement eines anderen hat. Und es gibt nur eine absolute Wahrheit, nämlich, dass es keine absoluten Wahrheiten gibt.

  1. Mal wieder super geschrieben. Es macht vieles einfacher, wenn man sich ein wenig Zeit nimmt um die Aufgaben zu Strukturieren oder auch einfach nur mal sich Gedanken dazu macht.

    Zeitmanagment ist eine harte Nuss aber wenn man weiß wie man Sie knackt (Methoden und Techniken) wird man mit den leckeren inneren belohnt.

    Meine hat schon leichte Risse :)

    • Danke! :)
      Ja das stimmt. Schon alleine das Ordnen in irgend eine Richtung sorgt schon dafür, dass es gar nicht mehr so viel aussieht. Ein Berg Wäsche sieht auch immer viel mehr aus als wenn man den ganzen Kram zusammenfaltet.

      • ACK :)

        Aber lebe mal mit 2 Frauen (3 Wochen) und kurzzeitig mit 3 Frauen in einen Haushalt. Da sieht der Berg auch zusammengefaltet nach einer Menge aus ^^ Wenn man den so ansieht weiß man was man geleistet hat.

        Das schlimmste ist die Zuordnung von den ganzen Sachen ;) Besonders Socken :-/

      • Gut, da bieten sich ja Möglichkeiten an den Berg von vornerein zu verhindern.
        3 Frauen im Haus? Also ehrlich… wer da noch Klamotten trägt ;)

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