Die besten Filme: „Das Millionenspiel“

Dirk hat in seinem Blog zu der Vorstellung der besten Filme vor 1987 aufgerufen. Um die Herausforderung etwas zu erhöhen habe ich beschlossen nur deutsche Filme zu beachten.

Ich mag gute Geschichten. Deshalb schaue ich gerne Filme, deshalb lese ich aber auch gerne Bücher. Mitte der 90er Jahre war ich gerade dabei meine Stephen King Sammlung (also Bücher) zu vervollständigen und stolperte dabei natürlich auch über die Geschichte „Menschenjagd“ die er unter dem Pseudonym „Richard Bachmann“ veröffentlicht hatte. Damals war ich noch nicht Teil des Internets und Informationen fanden andere Wege. So wurde mir bekannt, dass es einen deutschen Film gibt der ein sehr ähnliches Thema wie eben diese Geschichte hat. Und damals war es ziemlich schwierig an diesen Film heran zu kommen, denn eine Videoveröffentlichung gab es nicht.
Um Missverständnisse zu vermeiden: der Roman von King/Bachmann ist deutlich neuer als der hier vorgestellte Film. King sagt aber auch, dass er sich von der Geschichte hat inspirieren lassen die auch Grundlage für diesen Film war.

Die Rede ist von „Das Millionenspiel“. Der Film wurde für das deutsche Fernsehen produziert und 1970 in der ARD ausgestrahlt.

Erzählt wird die Geschichte eines Mannes der sich freiwillig für „Das Millionenspiel“ als Kandidat bewirbt und dort auftreten darf. Die Show ist eine Sendung bei einem privaten Fernsehsender. Aufgabe der Kandidaten ist es sieben Tage lang vor einer Bande zu fliehen die vom Sender dafür belohnt wird den Kandidaten zu finden… und zu töten. Schafft der Kandidat es sieben Tage lang am Leben zu bleiben winken eine Belohnung von einer Million DM.
Neben der Bande hat der Kandidat auch noch das Publikum, also die Fernsehzuschauer und somit so ziemlich jeden Einwohner, gegen sich die ihn jederzeit verraten können.

Man muss sich die Zeit vorstellen in der dieser Film gezeigt wurde. Private Fernsehsender, wie der fiktive Sender der das Millionenspiel produziert, existieren noch nicht und liegen in Deutschland noch gut 15 Jahre in der Zukunft. Die Fernsehlandschaft beschränkte sich auf die öffentlich-rechtlichen, eher konservativen, Fernsehsender. Der Film greift hier der Zeit voraus und zeigt den Wertverlust des Fernsehprogramms. Wie Niveau vernachlässigt wird und dafür niedrige Instinkte angesprochen werden um die Einschaltquoten nach oben zu treiben. Das ist genau das was wir seit Jahren im Fernsehen, vor allem auf den privaten Fernsehsendern erleben. Mich erschreckt es immer wieder wie Sendungen wie „Big Brother“, diese Pseudo-Liebes-Shows, Pseudo-Dokumentationen  und die Casting-Shows die Leute vor den Fernseher fesseln.

Die Liste der Darsteller kann sich sehen lassen. Auf der Flucht ist Jörg Pleva der seine Sache sehr gut macht, Anführer der Bande der ihn zur Strecke bringen soll ist Dieter Hallervorden der zu diesem Zeitpunkt noch gut ein halbes Jahrzehnt von seiner Comedy-Karriere entfernt war. Moderiert wird „Das Millionenspiel“ von Dieter Thomas Heck der damals bereits ein bekannter Showmaster war.

Die Gestaltung des Films ist so gehalten, dass man, wenn man später einschaltet oder einem die Erfahrung fehlt, das ganze für eine echte Show halten könnte. So kam es auch, dass während und nach der Ausstrahlung der Sendung Anrufe bei der ARD von Zuschauern eingingen, die sich über die Niveau der neuen Show beschwerten. Ebenso riefen aber auch Leute an die sich als Kandidaten und als Jäger bewerben wollten. Wie man sieht war die Zivilisationsdecke  damals nicht dick, und ich bin mir nicht sicher ob die bis heute dicker geworden ist.

Wenn ihr die Möglichkeit habt solltet ihr das Millionenspiel auf jeden Fall schauen. Gemessen an heutigen Maßstäben fehlt es dem Film an einigen modernen Elementen, das wiegt er aber mit Detailfreude und guten Darstellern problemlos wieder auf. Und man darf nicht vergessen: Der Film ist 40(!) Jahre alt.

Auf Grund von rechtlichen Problemen konnte der Film über Jahrzehnte nicht gezeigt werden. Was schade ist, denn er ist wirklich gut. Inzwischen scheinen diese Probleme aber aus dem Weg geräumt zu sein, denn der Film ist auf DVD verfügbar.

Gemessen an dem was heute in Deutschland an Spielfilmen produziert wird, egal ob für Kino oder Fernsehen, halte ich „Das Millionenspiel“ für ein regelrechtes Meisterwerk.

— der Würschtlmann

7 Gedanken zu “Die besten Filme: „Das Millionenspiel“

    • Gerne!
      Mal schauen ob ich das ganze noch weiter führe.
      Ich musste mich auf der Suche nach zwei Perlen durch die deutsche Fernsehgeschichte wühlen, und da sind mir noch ein paar Filme mehr aufgefallen die ich dringend noch einmal schauen muss. Gerade in den 70er Jahren gab es da durchaus einen Höhenflug.

      • Mach mal!

        Mich interessiert es und ich finde das wirklich spannend. Persönlich habe ich den Eindruck, dass es früher sehr viel tiefgründigere und tatsächlich auch bessere Filme gab. Da nicht so viel geschnitten wurde, waren die Schauspieler auch stärker gefordert.

      • Hmm… ich glaube das Problem ist viel weitreichender.
        Rechteproblem hin oder her, wenn du dir „Das Millionenspiel“ anschaust wirst du bemerken, dass die Produktion für die damaligen Verhältnisse wahrscheinlich nicht ganz billig war. In gewissem Umfang ist da schon sehr viel Aufwand getrieben worden. Und: damals gab es noch keine Green-Screen hinterher eingefügten CGI-Hintergründe. Das musste ja alles in irgend einer Form da sein.

        Das heißt der Film war ‚relativ‘ teuer, wenn man das zum Beispiel im Verhältnis zu den heute laufenden Filmen und Serien sieht. Die spielen in der Regel im Hier und Jetzt, quasi Episoden aus dem wahren Leben. Ich rede hier von Tatort (das sind deutsche Produktionen die bis heute gut sind) oder die anderen produzierten Krimis.

        Die Frage ist: wer bezahlt das heute? Die privaten Sender grasen ja mit dem was ich vorsichtig „Hartz-4-TV“ nenne eine ganze Menge Zuschauer ab. Die scheinen ja so etwas sehen zu wollen. Wozu also den finanziellen Aufwand betreiben?

        Ich glaube da muss ich nochmal einen extra Artikel zu schreiben.

  1. Es gibt auch eine sehr gute französische Verfilmung von ca.1982 „Kopfjagd- Preis der Angst“ . Die Original-Vorlage des Stoffes ist eine Kurzgeschichte von SF-Autor Robert Sheckley. Da das ZDF die Rechte an dem Stoff nicht besaß, kam es wg. Rechtestreitereien lange Zeit nicht wieder zu einer Ausstrahlung. Allerdings hat der NDR 2010 den Film wieder ausgestrahlt. Und wie Du schreibst auf jeden Fall immer noch sehenswert.

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