Werbung und AdBlocker

Bereits seit einiger Zeit gibt es eine Diskussion darüber, ob AdBlocker gut oder schlecht sind. Da sind die Anwender dieser Software und die Werbeindustrie (bzw. die Leute, die mit Werbung Geld verdienen) natürlich unterschiedlicher Meinung.

Auf die Diskussion wurde ich unter anderem bei Facebook aufmerksam, wo über verschiedene Blogger diskutiert wurde, die eine recht militante Meinung haben und Benutzer, die AdBlocker verwenden, als asozial bezeichnen. Stellvertretend hier der Beitrag von Jan Gleitsmann bei Mobilegeeks.

Nun, ich verwende einen AdBlocker. Warum, das werde ich in diesem Artikel erklären. Dann kann sich jeder selbst eine Meinung darüber bilden, ob ich asozial bin oder nicht.

Ich glaube, dass Content-Anbieter und die Werbebranche einen großen Fehler machen, wenn sie annehmen, dass Werbung im Internet genauso funktioniert wie in Printmedien. Es ist natürlich einfach ein Geschäftsmodell auf ein anderes Medium zu projizieren, allerdings muss man auch damit leben können wenn es schief geht. Das passiert gerade mit Werbung im Internet.

Jan Gleitsmann behauptet, dass die Leute, die AdBlocker verwenden, quasi seinen Kindern die Wurst vom Brot klauen. Das ist nicht ganz richtig, denn er hat, wie alle anderen Content-Anbieter ja auch, die Möglichkeit dafür zu sorgen, dass man seine Inhalte nur sieht, wenn auch dafür bezahlt wird. Das ist dann die bekannte „PayWall“, also die Mauer, die man nur überwindet, wenn man sie weg kauft – ansonsten ist der Inhalt nicht verfügbar.  Es ist also nicht so, dass es keine Alternative zu der „ich schalte Werbung und lebe davon“-Einstellung gibt.
Übrigens gibt es auch in der echten Welt die Möglichkeit mir ein „Keine Werbung!“-Schild an den Briefkasten zu machen. Das kann man auch im Internet so Umsetzen. Sprich: Der Content-Anbieter kann dafür sorgen, dass seine Content nur angezeigt wird, wenn die Werbung mit angezeigt wird. Macht im Augenblick nur kaum einer. Und ja, da gibt es gerade ein bisschen gegenseitiges Hochrüsten auf beiden Seiten, aber die Möglichkeit das Umzusetzen gibt es.

Wo wir aber schon bei dem nächsten Thema sind. Leute wie ich, also Leute die einen AdBlocker verwenden, machen das ja nicht primär, damit der Herr Gleitsmann seine Wurst nicht mehr bezahlen kann. Ich persönlich verwende ihn, weil für mich dadurch das Internet sehr viel erträglicher wird. Und jetzt sind wir bei einem interessanten Punkt: Warum gibt es AdBlocker überhaupt?

Werbung im Internet funktioniert aus Sicht der Konsumenten ungefähr so wie Werbung in Zeitungen. Es gibt Content, und es gibt begleitende Werbung. Ich bekomme regelmäßig eine regionale Zeitung in den Briefkasten, die sich vollständig von Werbung finanziert. Keine Abo-Gebühren, keiner fragt ob ich sie wirklich haben will. Sie landet in meinem Briefkasten und meistens lese ich sie auch. Angenommen es würde jetzt jemanden geben, der kostenlos den Dienst anbietet alle Werbungen in der Zeitung für mich zu schwärzen: Würde ich diesen Dienst in Anspruch nehmen? Nein, würde ich nicht. Denn Anzeigen sind in der Zeitung gut gesetzt, sie stören mich nicht beim Lesen.

Werbung im Internet funktioniert ja so ähnlich. Aber es gibt da riesige Unterschiede. Werbung im Internet kann blinken, sie kann sich als PopUp in den Vordergrund drängen und sie kann sogar Töne abspielen. Und plötzlich ist Werbung nervig – und schon entsteht das Verlangen sie weg haben zu wollen. Nervige Werbung will niemand. Das heißt, die Werbebranche und die Content-Anbieter, die jetzt laut schreien, haben die Situation überhaupt erst herbei geführt, dass man darüber nachdenkt so einen AdBlocker zu verwenden.

„Aber der blockt doch alle Werbungen, auch auf den Seiten, die Werbung dezent schalten“, sagen die Content-Anbieter. Richtig. Denn wenn mann länger als 15 Minuten ohne AdBlocker durch das Internet surft, merkt man recht schnell, dass es umgekehrt kaum Sinn macht. Dafür ist der Anteil der Seiten, die wirklich dezent Werbung schalten, einfach zu klein.
Ein gutes Beispiel dafür ist aktuell die Webseite geo.de. Dort wird man ausgesperrt, wenn man einen AdBlocker aktiv hat. Allerdings auf eine Art und Weise, die der Adblocker dezent lernen kann. Folgt man aber der Aufforderung der Webseite und schaltet seinen AdBlocker ab, dann bekommt man direkt Werbung als PopUp.
Liebe Werbetreibenden. Wenn ihr die Scriptfähigkeit meines Webbrowsers verwendet, damit ihr außerhalb des Raums, den ich euch zu geben bereit bin, Werbung auftauchen zu lassen, dann seid ihr der Grund dafür, dass ich diese Werbung blocke. Überall. Es sind also Seiten wie geo.de, die Herrn Gleitsmann die Wurst von dem Brot seiner Kinder klauen. Und dieses Beispiel ist hier nur exemplarisch.

Man hat sich darauf verlassen, dass Werbung im Internet so funktioniert wie in Printmedien. Man hat den Konsumenten bombardiert, man hat ihn vorgeführt. Und ja, ich nenne es vorführen, wenn man eine Werbung schaltet, die einen Schließen-Button vortäuscht und dann auf das Angebot darin umleitet. Das ist natürlich ein Vorteil für die Werbetreibenden, den es in Printmedien nicht gibt. Der Vorteil für den Konsumenten ist es, dass man mit einen Werbeblocker den Werbekram einfach aussperrt. Die technische Möglichkeit ist da, der Leidensdruck ist groß genug – also wird der Konsument es benutzen. Nur, liebe Werbetreibenden, den Leidensdruck habt ihr herbeigeführt. Ihr habt einen AdBlocker überhaupt erst nötig gemacht.

Den Kampf gegen die AdBlocker kann man nicht gewinnen. Dafür sind die Vorteile einfach zu groß.

Blocke ich also alle Werbungen? Nein, tue ich nicht. Mein AdBlocker erlaubt es einzelne Seiten auf eine White-List zu setzen. Dort wird dann Werbung angezeigt. Ebenso kann ich einzelne Youtube-Kanäle hier freischalten. Und ich glaube, dass das die einzige Möglichkeit ist, wie man im Internet in Zukunft noch mit Werbung Geld verdienen kann. Ich habe keine Zahlen vorliegen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass die Anzahl der Benutzer mit AdBlocker ständig steigt. Freiwillig wird den wohl kaum noch jemand komplett abschalten, der Zug ist abgefahren.

Angebote, die ich regelmäßig nutze, kommen auf meine White-List. Also das spontan gesuchte Youtube-Video hat leider Pech. Die Leute, die ich dort regelmäßig schaue, die haben Glück. Warum? Weil sie es geschafft haben mich dazu zu bringen, dass ich die Werbung ertrage um sie zu unterstützen.

Wenn man es also schafft, tatsächlich eine Community um sein Angebot zu schüren, und der Community klar machen kann, dass man die Werbung zum Leben braucht – dann kann das mit der Werbung auch zukünftig funktionieren. Ansonsten muss man sich – wohl oder übel – andere Möglichkeit suchen müssen. Merchandise verkaufen, Premium-Content einführen, einen Sponsor suchen. Das muss dann jeder selber testen.

Das man auch über Werbung durch das Internet verfolgbar wird, habe ich in diesem Post absichtlich nicht erwähnt. Das macht Werbung natürlich noch unerwünschter, würde aber den Rahmen sprengen und ist nicht nur ein Problem, das sich alleine auf Werbung bezieht.

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