Das Erwachen der Macht

Vor etwa einem Jahr wurde der erste Teaser zu Star Wars Episode VII publik. Zu sehen war darin nicht viel, hauptsächlich ein Laserschwert mit einer Parierstange. Ich schrieb damals, dass der neue Star Wars „sowas von nur auf DVD wird“. Ich schaute ihn doch im Kino. Ich hätte auch mich selbst hören sollen. Und die Parierstange ist nach wie vor albern.

Hohe Erwartungen hatte ich nicht an den Film. Aus verschiedenen Gründen. Ich fand die Episoden I und II ziemlich grausam. Diese Albernheit passte für mich schlicht nicht zu Star Wars. Um mal zwei Stellen zu nennen: Das Kaninchen mit dem Sprachfehler und „der Druidenkopf sitzt auf dem falschen Körper“. Und die Story… naja, die Story „ging halt so.“
Aber vor allem traute ich J. J. Abrams nicht zu einen guten Film zu machen. Er hatte auch mal eine Sternstunde, nämlich „Super 8“, aber alles andere ist bunter, seichter Trash.
Vor allem Star Trek. Der Reboot des Franchises mag vielleicht unterhaltsam sein, wenn man auf Filme wie „The Fast and the Furious“ steht, aber mit dem eigentlichen „Star Trek“ hat es nur noch wenig zu tun. Der erste Teil des Reboots bediente sich lauter Szenen aus den vorherigen Spielfilmen und kopierte sie einfach aneinander. Der Großteil des Plots aus Star Trek XI, viele Einstellungen aus „Der Zorn des Khan“, etc.
Der zweite Teil des Reboots wurde weniger abgekupfert, dafür actionreicher und hätte ebenso von Michael Bay sein können.
Gut, ist ein Reboot. Da erwartet man das ja irgendwie.

Was ist nun mit Star Wars? Naja, eigentlich ging es ja darum eine Geschichte weiter zu erzählen, über ein Universum, das sich der Herr Lucas schon längst überlegt und in allen Einzelheiten ausgearbeitet hat. Soweit der Mythos.

Disney, liebe Star Wars Fans, hat aber schon längt alles für nichtig erklärt, was nicht Episode I-VI oder die animierte Clone-Wars-Serie ist. Die Drehbuchautoren konnten sich also richtig austoben und erschufen … einen Reboot.

Entschuldigung, aber es gibt Leute, die wollen uns das als Fortführung einer Geschichte verkaufen?

Wie ich oben schon schrieb, hat Abrams es bei Star Trek vortrefflich geschafft einen Film aus Dingen der bereits vorhandenen Filme zu bauen. Das war aber auch ein angekündigter Reboot.
Bei Episode VII, die kein Reboot ist, ist er sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Er hat schlicht alle Elemente der klassischen Trilogie genommen und in einen Film kopiert. Alle. Es gibt nichts Neues. Ich kann gar nicht in Worte fassen wie schlimm ich das finde.

Inzwischen ist es ja Mode, einfach etwas, das Erfolg hatte, zu kopieren. Man verfilmt erfolgreiche Bücher, weil man hofft, dass sie auch auf der Leinwand funktionieren. Man wärmt jahrzehntealte Franchises auf, weil sie damals erfolg hatten. Risiko? Wo kommen wir denn da hin? Wir nehmen ein bisschen was von allem und bauen so viele Effekte ein, dass man die Logiklöcher hoffentlich übersieht.
Star Wars hätte die Ausnahme sein können. Der ganze Hype hätte einen Film erschaffen können, der nicht nur trivial ist.

Stellt euch vor, ihr sitzt irgendwo im Quiz und müsstet erraten aus welcher Trilogie die folgenden Dinge sind. Sie werden nacheinander gefragt. Wann genau wüsstet ihr die Antwort?

  • Ein Druide mit Sprachdefizit trägt wichtige Daten „in sich“
  • Er strandet auf einem Wüstenplaneten
  • Sie fliehen mit dem Milleniumfalken von dem Planeten
  • Es gibt eine verwegene Rettungsaktion um eine Frau aus den Fängen des Bösen zu befreien
  • Es gibt einen Vater-Sohn-Konflikt
  • Es gibt eine riesige Struktur im Weltraum, die Planeten zerstören kann
  • Um die Struktur zu zerstören, müssen X-Wings durch eine Schlucht auf der Struktur fliegen, in der sie mit Lasern beschossen werden
  • Der Bösewicht trägt eine Maske und ist Teil des Vater-Sohn-Konflikts

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich könnte nicht sagen zu welchem „Star Wars“-Teil die Fragen passen würden. Ganz ehrlich, das ist schon ziemlich dreist, wie Abrams hier schlicht und ergreifend Vorhandenes einfach aufwärmt. Es ist schlicht ein Reboot – ein Neuerzählen, kein Weitererzählen.
Und das als „verwenden bekannter Motive“ zu bezeichnen ist, naja… Schönreden.

Wäre ja nicht schlimm, wenn es auch so verkauft worden wäre. Aber so ist es schlicht ideenlos. Und wenn man sich überlegt, dass die Grenze der Fantasie die einzige Grenze der Geschichten ist, die man erzählen kann – dann ist das Ergebnis ziemlich kläglich.

Und dann sind da diese Logiklöcher. Oh man.

Der kleine Druide hat also einen Teil der Karte in sich, die er auch anzeigen kann. Aber niemand kann damit etwas anfangen, weil sie nicht vollständig ist.
Der andere kleine Druide hat keinen Saft und kann daher seinen Teil der Karte nicht anzeigen.
Als er es dann doch tut, sieht man dass aus der großen Karte nur ein kleines Stück herausgeschnitten ist. Trotzdem reichte das Stück, dass sie ja schon hatten, nicht um das Ziel zu bestimmen. Bitte was?
Das wäre ungefähr so, als würde ich in Berlin einen Schatz verstecken und den Weg dorthin auf einer Deutschlandkarte einzeichnen. Ich starte in Wuppertal und markiere die komplette Strecke. In Berlin sogar Straße für Straße, bis zum Ziel. Und dann mache ich etwas Verrücktes: Ich schneide Berlin aus und gebe es jemandem. Sorgen muss ich mir nicht machen, denn wie soll der denn Berlin finden, wenn er die Deutschlandkarte nicht hat?!?
Ach, ich verstehe das nicht? Das war ganz anders gemeint? Dann sollen sie es in dem Film auch so darstellen, wie es gemeint ist. Und nicht irgendwie „Hauptsache es leuchtet“.

In dem Film wurden ständig Leute mit Laserschwertern aufgespießt. Das halte ich für nahezu unmöglich. Dafür müssten beide Parteien ja extrem still halten. Ich meine wir reden von Laserschwerten, die schneiden selbst Metall wie flüssige Butter. Das ist ja gerade der Witz daran.

Irgend so eine Stormtrooper-Truppenführerin ist in der Lage den Schild um diesen gigantischen Todessternplanetengiganten abzuschalten? Keine Backup-Sicherungen, die hat die Kompetenz und die Fähigkeit das zu tun – und macht das auch noch?!?

Ich hatte extreme Probleme mit der Zuordnung der Lokalität. Ein positives Beispiel wäre hier die Schlacht um Minas Tirith in „Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“. Da war viel Getümmel, aber man hatte trotzdem das Gefühl zu wissen, wo jetzt was gerade stattfand. Ein Negativbeispiel wäre die Schlacht aus dem letzten Teil vom Hobbit.
In „Das Erwachen der Macht“ konnte ich stellenweise nicht einmal einordnen, ob man sich jetzt auf einem Sternenzerstörer oder dem Todessternplanetengiganten befand. Die Räume für die Gefangenen und die Zentrale scheinen sich auf beiden enorm zu ähneln.

Das geht aber noch weiter. Als die Helden auf dem Planeten mit dieser „1000 Jahre alten Oase“ sind, werden durch den Todessternplanetengiganten ja verschiedene Planeten zerstört. Waren die im selben Sonnensystem wie der Planet, auf dem die Helden sind? Das war ja am Himmel recht gut zu sehen. Bewegt sich der Todessternplanetengigant eigentlich? Oder wird der nur auf das Ziel augerichtet und schießt dann durch die ganze Galaxis?
Dafür, dass er die Grundlage des gesamten Plots war, wurde über den wirklich wenig erzählt. Nur, dass mit ihm die Republik eingeäschert werden soll. Irgendwie. Naja, zu viele Informationen verwirren auch nur.
Das war übrigens in der ersten Trilogie deutlich besser gelöst.

Und das zog sich irgendwie durch den ganzen Film.

Ich finde es übrigens sehr lustig, wie der Humor aus dem Marvel-Filmen jetzt auch in anderen Disney-Produktionen auftaucht. Das war das einzig Positive, das ich aus dem Film mitgenommen habe.

Lustig war auch der Typ, den sie hinter die Maske von dem Bösewicht gesteckt haben. Junge, hatte ich da Angst, als der die Maske abgenommen hat. Ein richtiger Fiesling. Ich mag diesen 60er Jahre DEFA-Märchenfilm-Style.

Positiv überrascht hat mich, dass offensichtlich einer der „Konstrukteure“ aus „Prometheus – Dunkle Zeichen“ den Oberbösewicht spielt. Das finde ich sehr mutig und freue mich schon auf das Auftreten von Noomi Rapace und den Aliens in Episode VIII.

Wie groß der Todesstern dann wohl sein wird?

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